Taschenträger aus Kunstleder mit Stanzband herstellen

In diesem Beitrag möchte ich Euch ein wenig über meine (!) Erfahrungen mit Taschenträgern aus Kunstleder berichten. Neben meinen Erfahrungen habe ich für Euch eine kleine Anleitung – oder Anregung – wie man seine Träger ganz einfach selbst machen kann. So, dass das Material nicht zu sehr beansprucht wird und man einigermaßen „zügig“ zu einem Ergebnis kommt.

Vor einigen Wochen habe ich meine Liebe zum Kunstleder entdeckt. Meine bisherigen Erfahrungen mit diesem Material waren eher: „Mäh“. Also, nicht so toll. Vielleicht lag es daran, dass meine ersten Versuche damals mit einem billigen „PvC Kunstleder“ gewesen sind. Dieses war so „dick“ und sperrig, dass es in mehreren Lagen kaum unter den Nähfuß gepasst hatte. Keine Ahnung, was das genau war. Aber so im Nachhinein betrachtet glaube ich nicht, dass es sich dabei wirklich um ein „echtes“ Kunstleder gehandelt hatte. *g*

Geändert hat sich das, als es bei uns im örtlichen Stoffladen neue „Ware“ gab und ich auf der Suche nach einem schwarzen Kunstleder gewesen bin. Meine Stoffdealerin des Vertrauens hatte mir dann einige Farben von verschiedenen Herstellern gezeigt. Alle waren durchweg traumhaft und überhaupt nicht so wie das zuvor beschriebene Material.

Die ersten Taschen sind entstanden und ich war hellauf begeistert. Nicht nur, dass man das Vlies mit der Transferpresse locker-flockig aufbringen konnte. Nein, man konnte sogar die Träger aus diesem Kunstleder nähen. Ohne, dass einem die Nähmaschine dabei ins Gesicht gesprungen ist. *räusper*

Durch meinen Ton-in-Ton Spleen stand schnell fest, dass die zukünftigen Taschen aus Kunstleder aus dem selbigen Material hergestellt werden sollen. Mir gefällt das immer ganz besonders gut, wenn alles gut zueinander passt.

Einfacher gesagt, als getan …

Die ersten Versuche waren eher ernüchternd. Im Internet hatte ich nach verschiedenen Möglichkeiten gesucht, wie man Taschenträger aus Kunstleder herstellen kann. Über Pinterest bin ich über eine Vielzahl an Anleitungen und Tutorials gestoßen. Gefühlt habe ich alle ausprobiert und getestet. Trotzdem stand ich immer vor den gleichen Problemen:

  • Die Herstellung dauert zu lange
  • Die Herstellung ist zu aufwendig
  • Einige Materialien waren dehnbar (Buchschrauben etc. reißen aus)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich den Träger für die CarryBag genäht hatte und mir nachdem Zuschnitt des Streifens dachte: „Na, ob das gut geht? Das ist ja schon ganz schön dehnbar“. Mir kam da erstmals die Idee das Material einfach mit einem Vlies zu verstärken. Aber sind wir mal ehrlich? Wie viel Zeit geht dann zusätzlich drauf, wenn man einen 2 Meter langen Streifen mit einem Bügelvlies versehen muss? Das muss man ja auch wieder zuschneiden.

Leider habe ich mich damals dagegen entschieden und nur die Stellen verstärkt, die mit Buchschrauben versehen werden mussten. Prompt folgte die Retourkutsche: Bei so einer riesigen Tasche die mit dem entsprechenden Gewicht belastet wird, ist ganz deutlich zu spüren gewesen wie das Material unter der Belastung nachgibt. Leider sind mir bei dieser Tasche auch noch die Buchschrauben ausgerissen, weil das Kunstleder nicht ausreichend verstärkt gewesen ist.

Zwecks Materialmangel sollte mein Mann einige Tage später noch einmal zu dem Stoffladen fahren und mir einen „Streifen“ von einem bestimmten Kunstleder mitbringen. Damit er weiß, wie breit der Streifen sein musste, hatte ich ihm aufgezeichnet wie die „Breite“ eines Trägers berechnet (Nahtzugabe + finale Breite + finale Breite + Nahtzugabe) wird. Es hat sich dann ergeben, dass ich doch mit konnte und so knautschte ich den Zettel in die Jackentasche und zeigte diesen später meinem Mann. Im Laden stand dann ein Stanzband, welches von den Abmessungen genau auf meine Maße zugetroffen hatte. Auf der Rückseite war „deutlich“ zu erkennen, dass man es aufbügeln konnte.

So kam mir die Idee, dass man das ja einfach für die Träger benutzen könnte. Damit könnte man in vielerlei Hinsicht „mehrere Fliegen mit einer Klappe“ schlagen. Übrigens: Wie ich einige Wochen später erfahren habe, kannte man diese „Technik“ dort im Stoffladen bereits. Es ist also nichts neues, was ich Euch erzähle. *g*

Zu Hause angekommen haben wir – mein Mann ist bei sowas immer direkt Feuer und Flamme – ausprobiert und den ersten „Träger“ hergestellt. Von dem Ergebnis und der Arbeitsweise waren wir beide total begeistert.

Vorteile:

  • Das Vlies ist bereits zugeschnitten und kann direkt aufgebracht werden,
  • durch die „Stanzung“ muss man keine Markierungen und Co setzen,
  • man erspart sich das herumhantieren mit doppelseitigem Klebeband,
  • die – wenn vorhandene – Elastizität wird gehemmt. Der Träger ist stabiler und belastbarer,
  • die Herstellungszeit ist etwa 2/3 geringer.

Taschenträger mit Stanzband herstellen

Erst einmal musste ich auf die Suche nach den passenden Breiten des Stanzbandes gehen. Die Verkaufseinheiten bei Vlieseline belaufen sich auf: 10-25-25-10 (fertiger Träger: 2,5 cm) & 10-30-30-10 (fertiger Träger 3 cm). Für die breiteren Maße habe ich die Vliese von Polimex entschieden. Diese gibt es in ganz verschiedenen Verkaufseinheiten.

Für mein „handelsübliches“ Taschenzubehör habe ich folgende Bänder gefunden:

10-40-40-10 in Schwarz* (Trägerbreite: 4cm)
10-40-40-10 in Weiß* (Trägerbreite: 4cm)
10-25-25-10 in Weiß* (Trägerbreite: ~2,5cm)
10-25-25-10 in Schwarz* (Trägerbreite: ~2,5cm)

Vom Prinzip her funktionieren beide identisch. Allerdings unterscheiden sich die beiden in ihrer „Haptik“. Das von Vlieseline ist etwas Steifer und Fester, dass von Polimex etwas Dünner und Weicher. Beide lassen sich aber gleich gut verarbeiten.

Für die Träger meiner Einhorn-Alltagsheldin hatte ich das Kunstleder zuvor in die passende Länge und die passende Breite zugeschnitten. Bei einem Band mit den Maßen „10-40-40-10“ wird also ein 10cm breiter Streifen aus dem Material geschnitten. Ich schneide mir diesen Streifen aber immer aus der „vollen Breite“ – also, der längen Stelle des gekauften Stückes. Das Kunstleder wurde vor dem aufbringen des Vlieses auf dem Bügelbrett (mit einem Badetuch als Unterlage) ein wenig „glatt“ gebügelt. Dies tue ich immer auf der linken Seite und mit einem Backpapier zwischen Material und Bügeleisen.

Das Vlies wurde anschließend auf die Länge des Kunstleders zugeschnitten. So baumelt beim aufbügeln am anderen Ende nichts herum und stört beim aufbringen des Vlieses. Beim aufbringen des Vlieses benutze ich kein Backpapier zum Schutz, bisher hat das immer gut geklappt. Allerdings solltet Ihr vorher testen, ob das Euer Material aushalten kann und nicht schmilzt.

Damit sich später beim zusammennähen das Vlies nicht von dem Kunstleder löst, achte ich hierbei immer besonders darauf, dass an den Kanten gut gebügelt worden sind. Bei mir löst es sich, wenn es das tut, hier am ehesten. Das kann während des Nähens des Trägers dann schon ziemlich nervig werden.

Damit ich beim „Falten“ der Nahtzugaben nicht ganz so viel Fummeln muss, klappe ich eine Seite immer komplett um und befestige diese mit Stoffklammern. Die andere Seite kann dann ganz einfach, Stück für Stück,
mit dem Finger umgeschlagen und mit Hilfe der bereits vorhanden Klammern ganz einfach zusammengehalten werden.


Wenn alles fertig geklammert ist, dann prüft auf jeden Fall nach, ob sich der Gurt an einigen Stellen zur „Seite klappt/kippt“. Ist das der Fall, dann löst an dieser Stelle noch einmal die Klammern und schaut, dass Ihr dem Material mit den Fingern ein bisschen dabei helft, dass es sich anpassen kann. In Worten nicht so einfach zu erklären, aber wenn Ihr das seht, wisst Ihr was gemeint ist.

Beim Nähen beginne ich immer an der Seite wo die ganzen Klammern stecken. Meiner Meinung nach erzielt man so das beste Ergebnis, denn die „offene“ Seite wird als erstes geschlossen und ein Verzug während des Nähens ist nur noch schwer möglich. Trotzdem solltet Ihr darauf achten, dass sich nichts „verdrehen“ oder verschieben kann. Damit die Nähte ordentlich werden, nehme ich hier einen Teflonfuß zur Hilfe. So habe ich eine gute Sicht auf das Nähgut und das Füßchen bleibt nicht am Material kleben.

Nachdem die erste Seite fertig ist, kann noch die andere abgesteppt werden. Fertig ist der Träger aus Kunstleder. 🙂

Der Träger ist nun fertig und kann weiter verarbeitet werden. Solltet Ihr Buchschrauben benutzen wollen, dann kann ich Euch empfehlen das Ende des Trägers lediglich einmal um zuschlagen. Andernfalls wird das ganze – durch die übereinander liegenden Nahtzugaben – zu dick und die Schrauben lassen sich nicht „gleichmäßig“ befestigen. 😉

Viele Grüße,
Anja

Ps: Das Stanzband findet man auch unter dem Namen: Bundeinlage 🙂

Werbung (ohne Auftrag): Sämtliche Materialien wurden selbst bezahlt und stehen in keinem Zusammenhang mit einer Kooperation.

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