Plotter-Anleitung: Banderolen mit der Conical Warp – Funktion erstellen.

… oder wie man die Silhouette Software gekonnt auf´s Kreuz legt. Vor einigen Tagen hatte ich Euch das Geschenk zur Einschulung des besten Freundes unseres Sohnes gezeigt. Hierfür hatte ich mir u.a. die Business Edition für die Plotter Software zugelegt und habe mich – wieder einmal – mit meinen Vorstellungen auf den Hosenboden gesetzt. Dabei war die Idee so simpel: „Okay. Du gibst jetzt hier einfach ein paar Werte ein, drehst  ein bisschen an den Reglern und dann spuckt dir die Software eine Datei für eine Banderole aus“.

In den meisten Fällen kann man dann davon ausgehen, dass das ein Schuss in den Ofen ist – oder wird. So auch bei mir. Die ersten Versuche waren allesamt misslungen. Entweder waren die Banderolen zu kurz oder zu breit. Völlig egal, was ich ausprobiert und rumgetrickst habe. Trotz Schieblehre, 3 verschiedenen Linealen und 2 Maßbändern bin ich auf kein zufriedenstellendes Ergebnis gekommen.

Gut 5 Stunden und mind. 20 Blatt Papier später, war die „Nuss“ dann geknackt und die erste Banderole schmiegte sich exakt an den Becher an. Ein kleiner Erfolg. Es folgte eine weitere. Ein weiterer kleiner Erfolg. Zwei weitere folgten mit einer anderen „Messmethode“. Das ist es. So kann man das machen! Freudentanz durchs Wohnzimmer. Whoop, Whoop! : p

Ein paar Gedanken vorab…

Lasst mich vorab noch einen Gedanken mit Euch teilen. Beim „herumspielen“ mit der Software habe ich mich immer wieder gefragt, ob diese „Funktion“ eigentlich dafür gemacht ist, dass man damit eine Banderole erstellen kann. Die „Conical Warp“ – Funktion lässt sich nur „aktivieren“, wenn man vorher ein Objekt (Kreis, Stern, Mond, Rechteck, Quadrat, Linie oder einen Text) ausgewählt hat und anschließend die „konische Verzerrung“ auf das Objekt anwendet.

In der Theorie könnte man sich das so vorstellen: Für ein Windlicht möchte ich einen Schriftzug erstellen, der später aus Vinylfolie aufgeklebt werden soll. Dafür lege ich in der Software einen Text mit der gewünschten Schriftart und Größe an. Auf dieses Objekt (der Text) wird dann die „konische Verzerrung“ angewendet. Anhand der 3 Parameter (Oberer Durchmesser, Länge, Unterer Durchmesser) kann die Software nun die Verzerrung, die notwendig ist um den Text entsprechend auf dem Windlicht anbringen zu können, zu berechnen. Die Software berechnet also „nur“ das von uns ausgewählte Objekt (den Text).

So wird es gemacht:

Material & Softwareanforderungen:

Das Geheimnis liegt also … wo?

Für eine Banderole muss die Software jetzt ein bisschen „ausgetrickst“ werden. Im Grunde ist das nicht sonderlich schwer. Hierfür wird anders gemessen, als es uns die Software vorschlägt. Ausgemessen wird mit einem Maßband und zwar der „Obere Umfang“ und der „Untere Umfang“.  Die Länge kann, wie in der Software zu sehen ist, ermittelt werden.

Mit den beiden Zahlen, die eben ermittelt worden sind arbeiten wir nun weiter. Wenn man eine „Klebelasche“, also eine Überlappung haben möchte, dann werden zu jeder Zahl noch etwa 10 mm hinzugerechnet. Daraus wird dann der neue Durchmesser für die Software errechnet:

Beispielrechnung:
Ermittelter Umfang, oben: 260 mm + 10mm (Überlappung) = 270 mm
Mit den 270 mm kann nun der neue Durchmesser ermittelt werden: 85,94 mm

(Die Formeln habe ich an dieser Stelle weggelassen. Wer es sich einfach machen möchte, der kann einen Formelrechner wie z.B. den von MathePower benutzen – geht auch ganz schnell, versprochen)

Anleitung:

Öffnet die Software, wählt die Funktion „Rechteck zeichnen“ (1) und zeichnet ein Rechteck. Die Größe ist hierbei völlig egal. Wählt dieses aus und geht auf die Funktion „Verzerrungs-Bedienfeld“ (2).  Wählt anschließend den Reiter „Conical Warp“ (3) aus.

Klickt anschließend auf das Feld „Konische Verzerrung von ausgewählten Formen“ (4). Nun sind die Felder für unsere Werte, die vorher grau unterlegt gewesen sind, freigegeben und können entsprechend bearbeitet werden. Gebt in das erste Feld (A) den Wert für den „Oberen Durchmesser“ ein. Im zweiten Feld (B) gebt Ihr den „Unteren Durchmesser“ ein. Bei den Werten handelt es sich, wie oben bereits geschrieben, um die Werte, die nach der obigen Berechnung ermittelt worden sind. Das dritte Feld (C) kann so, wie in der Software angezeigt wird, ausgemessen und direkt übernommen werden.

Nun kann man schon sehen, dass sich die Form verändert hat. Unser „Rechteck“ hat sich schon an die Werte, die wir eingegeben haben, angepasst. Um daraus nun eine Banderole mit Überlappung / Klebelasche zu machen, wird das Textfeld einfach angepasst.

Hierfür wird der Regler (D) einfach bis „zum Anschlag“ gezogen. Ihr werdet nun sehen, dass die Fläche der Form sich füllt.

Tipp: Wenn Ihr immer die gleichen Becher in Gebrauch habt, dann könnt Ihr Euch die Werte – oder die fertige Datei – abspeichern und danach immer wieder die Banderolen anfertigen. Es ist dann nicht nötig, immer wieder neu zu messen. 🙂

Die Banderole ist jetzt fertig und kann ausgeschnitten werden.

Zusammenkleben:

Für das anbringen der Banderole solltet Ihr auf jeden Fall ein starkes, doppelseitiges, Klebeband (siehe Material und Softwareanforderung) verwenden. Die Klebestellen werden einer sehr hohen Spannung ausgesetzt, von daher würde alles andere keinen Sinn ergeben.

Um zu verhindern, dass die Banderole vom Becher rutscht, sucht die bereits vorhandene „Naht“ am Becher und klebt dort einen Streifen Klebeband auf und zieht den Schutzstreifen ab. Eventuell könnt Ihr noch auf der gegenüberliegenden Seite einen Streifen anbringen. Den ganzen Becher würde ich damit aber nicht vollkleistern, denn so lässt sich die Banderole schwer positionieren.

Bevor Ihr die Banderole auf den Becher bringt, klebt an die kurze Seite zwei Streifen des Klebebandes und zieht auch hier die Schutzfolie ab. So müsst Ihr nachher nicht „fummeln“. Als Anfangspunkt wähle ich immer die vorhandene Naht. Diese Naht ist zugleich der Endpunkt.

Nun kann die überlappende Seite am Anfangspunkt angedrückt werden. Fertig!

Solltet Ihr eine Banderole nach meiner Anleitung erstellt haben, dann würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr mir Euer Projekt zeigt. Tut dies gern auf Instagram, Facebook oder aber verlinkt mich einfach auf Eurem Blog. Sofern euer Blog / Profil nicht auf Privat gestellt ist, schaue ich mir euer Projekt sehr gern an. ♥

Viele Grüße,
Anja

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Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Anja,

    zuerst ganz lieben Dank für Deine Anleitung. Ich bastel sehr gerne mit Papier und hatte schon einige Ideen wo ich solche Banderolen gebraucht hätte. Ich habe es auch mal „per Hand“ in der Software versucht aber die Ergebnisse waren eher so „lala“. Richtig gut gepasst hat das nie. Ich besitze nur die normale Designer Edition aber dein Ansatz ist so einfach wie genial das ich mir wohl das Upgrade holen werde und testen werde. Mir kommen während des Schreibens schon Ideen 😀

    Ganz herzlichen Dank nochmal und mach weiter so.

    Gruß Birgit

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  2. Schaut mal wieder ganz toll aus und du hast es wie immer super erklärt 🙂 Vielen Dank für Deine Mühe.

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  3. Hallo Anja,

    Ich habe selbst vor kurzem bei der Einschulung meiner Nichte dabei sein dürfen und hätte so einen Becher gut als Gutscheinverpackung gebrauchen können. (Für sie natürlich NUR mit Einhörnern 🙂 ) Sehr schöne Idee und viel Mühe hast du dir gegeben.

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  4. Hallo Anja,
    vielen Dank für eine weitere großartige Anleitung aus Deiner Sammlung! Tatsächlich ein Grund für mich über ein Upgrade auf die Business-Version nachzudenken.
    Ich wollte noch zwei Tipps zum Thema beitragen:
    1. Upgrade für Silhouette Software bei http://www.swingdesign.com kaufen. Dort ist es, nach meiner Recherche unschlagbar günstig. Design zu Business für 35 Dollar, also gut 30 Euro. Der Freischaltcode kommt umgehend per Mail.
    2. Kennst Du schon https://templatemaker.nl/ ? Das ist eine geniale Seite, um Verpackungen selber zu erstellen. Ganz individuell,Verpackung aussuchen, Maße Deines Gegenstandes eingeben, „Schnittmuster“ als PDF oder SVG abspeichern. Das kannst man dann ja problemlos mit Silhouette Studio weiter bearbeiten.
    LG Daniela

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    • Hallo Daniela,
      ich kenne beiden Seiten.
      Preislich unterscheidet sich die, die ich im Beitrag verlinkt habe, eigentlich gar nicht zu der, die du hier nennst. Die Preise sind etwa die gleichen. Ich nehme deinen Link aber gern noch mit in die Liste auf. 🙂
      Wenn man die Designer Edition besitzt, dann musst Du ja auch nicht direkt ein Upgrade auf die BE machen. Es reicht ja auch das Upgrade auf die DE Plus. 🙂

      Zum Templatemaker hatte ich vor einer Weile eine Anleitung geschrieben. Ich wollte demnächst mal testen ob man mit meiner Messmethode auch im Templatemaker Banderolen machen kann. Dann kann man sich die ganzen Upgrades auch sparen. Das werde ich aber erst nach unserem Umzug schaffen.

      Liebe Grüße,
      Anja

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